250 km zu Fuß!

Die Marie wandert auf dem Jakobsweg

…und endlich Santiago! (Oder der Tag an dem ich 40Minuten nach einem Internetcafe suchte)

Heute morgen bin ich in Santiago angekommen, habe mit Rucksack die Kathedrale besichtigt, meinen Compostuela im Pilgerbuero abgeholt, die Messe mitgefeiert und stundenlang die Stadt besichtigt. Santiago ist traumhaft schoen, verwinkelte Gaesschen umringen die Kathedrale und verbinden die vielen wunderbaren Gebauede der Stadt- ich kann euch gar nicht genug vorschwaermen, die Altstadt ist wunderbar erhalten und sehr gepflegt (und streng bewacht- ich bin umzingelt von Polizeistationen!). Es gibt grosszuegige Parkanlagen, die sich an die Universitaet anschliessen und geradezu zum faulenzen einladen- und dass habe ich heute ausfuehrlich getan! Ueberhaupt ist die Stadt total vom studentischen Alltag gepraegt und die vielen Pilger gehen fast unter:)

Philip (der Hollaender) und ich teilen uns hier eine wunderschoene Wohnung ueber einem Gemuesehandler mit meinem eigenen Zimmer ( niemand der schnarcht!!!), Fernsehen, einer Kueche, Bad und einem (spanisch befuellten) Buecherregal. Hier laesst es sich aushalten!

Mittags hatte ich mich mit Waltraud zur Toertchenschlacht verabredet- in einem der feinen kleinen Cafes haben wir uns eine Unmenge kleiner Toertchen gekauft (inklusive Miniwindbeutel) und sind in den Park gewandert und haben sie genuesslich, jede Kalorie feiernd, verspeist… ganz ehrlich heute habe ich den Tag verbummelt. Nur das Flair der Stadt aufgesogen und das „Angekommen-Sein“ ausgekostet. Der Jakobsweg war teilweise sehr schwer fuer mich- schon allein wegen der Schmerzen in meinen Fuessen und der bestaendigen Sorge, ob ich ueberhaupt weitergehen kann, oder vielleicht doch noch abrechen muss. Kristina, Annika und ich mussten uns in Triacastela trennen und na ja, ihr wisst schon- leicht war das nicht fuer mich, denn alle anderen in meinem Alter sind eben volle Etappen gegangen und nicht nur halbe. Aber ich habe es aus meiner eigen Kraft geschafft und wirklich besondere Menschen kennengelernt- und treffe sie jetzt in der Stadt immer wieder. Das ist wirklich eine Art Befreiungsschlag nach gestern, war ich doch sehr enttaeuscht von der Etappe nach Monte de Gozo (ueber die hochgelobte Pilgerherberge schweige ich lieber… sie war g-r-a-u-e-n-h-a-f-t), die anfangs schoen durch Eukalypten fuehrte, aber dann parallel zur Strasse verlief und einfach stressig war.

Was soll ich jetzt noch mehr sagen ausser DANKE an alle, die mich ein Stueck des Weges begleitet haben- gottseidank, SANTIAGO ist erreicht!- es war die beste Entscheidung meines Lebens diesen Weg zu gehen.

Alles Liebe, Marie

5 Kommentare »

  Vera wrote @

Hey Marie, meine Heldin!

Klasse, endlich hast du es geschafft. :-) Ich freue mich unheimlich mit dir und bewundere dein Durchhaltevermögen (ich weiß ja selber, wie schwer es sich auf Blasen geht). Seid ihr drei denn jetzt schon wiedervereinigt? Und ja, NATÜRLICH komme ich euch auch abholen. Ich freue mich schon sehr auf euch und bin schon ganz gespannt auf eure Geschichten!

  Hanne wrote @

Hi Marie,

da müssen wir uns doch gleich Vera anschließen, KLASSE GESCHAFFT!! :-)
Nun hast Du also noch heute und einen Teil von morgen, um Dir Santiago anzusehen und endlich doch das große Eis zu essen. Selbstverständlich spielt nun endlich auch das Wetter mit…

Wir freuen uns schon sehr darauf, von Dir wieder persönlich zu hören!!

Alles Liebe,
Ralf und Hanne

  Daheimgebliebene_Musenlose620 wrote @

Wahh! ICH GRATULIIIEERE! ICH GRATULIIEERE! *wirft Konfetti* *bläst in ein Karnevalstrompetchen*

Wie lange bleibst du denn in Santiago? Will sagen, wann bist du denn dann wieder hier? Will sagen *singt* „Oooohh-ohhhohhohhohhohh wann kommst du?“

Sorry, kleiner Ausbruch. Gibt es Neues von der Heimatfront für dich *denkt nach*? Uhm, ich glaub nicht. Montag hab ich ein Referat, aber ich hab noch nicht angefangen, weil ich keine Bücher habe *räusper*, ich muß heut nochmal in die Bibi. Denn das EINE Buch, was ich natürlich brauche, DAS ist scheinbar verschwunden. Das war ja so klar!

Geekszene von gestern aka Ich-hasse-meine-Kollegen:
Ich geh so Richtung mein Fahrrad, der Postbote kommt grad an und läd irgendwas aus (mein Lieblingspostbote), meine Kolleginnen aus dem Büro stehen daneben und rauchen sich eine. Ich gehe so schnurstracks zu denen und schneide Grimassen (gestern war ich den ganzen Tag etwas überdreht bei der Arbeit und Michaela war, glaub ich, leicht genervt). Und was kommt von denen und zwar in HÖRWEITE des Postboten: „Leska, frag doch mal den Postboten, ob er dich mit zu sich nach Hause nimmt. Guck mal, der hat fast garnichts in seinem Autochen, da nimmt der dich bestimmt gerne mit, dein Schnuckelchen.“
Aber mein Bike stand genau neben der Seitentür des Postautos, wo er dann auch prompt mit seinem Wägelchen herauskam und mich anstarrte. Mann, war das peinlich! Ich hab dann schnell ‘Hallo!’ gesagt und gelächelt und er hat erkennend genickt.
Ich glaube, der haßt seine Mittagsroute. Der geht bestimmt regelmäßig zu seinem Chef und fleht, winselt und rutscht auf den Knien herum, daß er eine andere Fahrtroute bekommt: „Bitte, Chef! Ich fahr auch durch Oberkassel! Aber im Comicladen–da arbeiten nur Irre, ich will da nicht mehr hin!“

hihihi

  Evamaria wrote @

Deine Karte ist heute schon angekommen – vielen Dank! Ausserdem wollt ich nur sagen, dass du echt stolz auf dich sein kannst – so ein Erlebnis ist was ganz besonderes, und ich bin echt beeindruckt, dass du, allen Widrigkeiten zum Trotz, bis zum Ende durchgehalten hast. Jetzt hast du Erinnerungen, die dir dein ganzes Leben bereichern werden…

Hab dich lieb, Süsse!

  michaela wrote @

Marie,
heute erst lese ich, was du schon vor Tagen genossen hast! Angekommen! Wow! Kommt das nur mir so vor oder auch dir: Es ging schnell! Deine schwärmerische mail ist hinreißend, ich gönne dir die Faulenzerei ohne Abstriche!
Was mich aber noch brennend interessieren würde: Wie war das eigentlich für dich mit dem Weg und dem Ziel? War der Weg das Ziel oder tatsächlich das Ziel?
Und, wie geht’s jetzt weiter????
Hat man nach so einer Pilgerreise eigentlich immer den Durchblick, was unweigerlich zu tun ist?
Hach ja. Wann seh ich dich mal?
In Bälde,
Michaela


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