Hola,
heute bin ich in Arzua angekommen und das Wetter ist fantastisch. Ich habe heute den ganzen Tag verbummelt und hatte gemaess der morgendlichen Anweisung viel Spass.
Also zuerst etwas ueber die heutige Etappe- bergmaessig einige Steilhaenge, aber nicht schlimmer als das Siebengebirge und ohne Ende Eukalyptuswaelder. Ich hatte keine Ahnung, dass Eukalypten (huh, was ist denn bitte der Plural?) so hoch werden! Die Landschaft war wie immer berauschend und wir hatten Sonnenschein! Mir wurde es fast ein bisschen zu warm… Heute war aber der Tag der Begegnungen- wenn ich ihn betiteln sollte. Morgens beim Fruehstueck hat mir meine brasilianische Familie einen sehr schoenen Halbedelstein geschenkt- er ist gruen mit Flecken, weil er angeblich gut fuer die Seeele ist. Oh und ich hatte frische Erdbeeren zum Fruehstueck, weil eine Pilgerin mir die Haelfte ihre Packung geschenkt hat- Kaesebroetchen, Yoghurt und Erdbeeren, ich lebe richtig gut! Ich bin dann munter losmarschiert, ueberwandt die ersten Huegel und traf in einem kleinen Ort vor einer urigen Kirche einen sehr netten Padre mit dem ich bestimmt eine halbe Stunde verquatscht habe, er hat mir die Kirche gezeigt und eine Bibel und ein kleines Buch ueber den Camino geschenkt. Weiter ging es Richtung Rio und ich landete bei einer Gruppe, die Pflastersteine von Pilgern bemalen laesst und diese als zusaetzliche Wegweiser entlang des Jakobsweges plaziert. Die Idee finde ich sehr schoen und ich habe fleissig einen Stein bemalt und bekomme die Bilder per E-mail:) Am Ende von Rio bin ich dann einer alten Baeurin in die Finger geraten, die mich gleich ihrem Sohn vorstellen wollte (… oh. mein. Gott. Soetwas passiert auch nur mir!) und dann war ich auch schon um eins in Arzua. Arzua ist huebsch und ich habe natuerlich Pulpo, TINTENFISCH!!! zu Mittag gegessen. Leider konnten wir schon wieder nicht kochen, aber was soll’s. Menue de Pelegrino zum Abendessen und tonnen von Keksen zwischendurch. Wahrscheinlich hab ich zugenommen, wenn ich zurueckkomme, ich bin den ganzen Tag am Essen! Einer meiner staendigen Wegbegleiter ist richtig krank geworden- Durchfall- wohl wegen des Wassers aus einer Quelle am Weg. Ich habe heute meine Wasserflasche stehengelassen, aber gluecklicherweise in einer Tienda einfach frisches gekauft… Durchfall, der haette mir ja gerade noch gefehlt.
Gestern bin ich nach Melide gewandert und irgendwie bin ich die ganze Zeit alleine gewesen. Nach drei Stunden hab ich am Wegesrand ein Pferd auf einer Koppel gesehen und mich dann halt mit diesem unterhalten. Es war schon sehr seltsam einfach niemanden unterwegs zu sehen, keine Radfahrer, keine anderen Pilger… Ich, allein in der Wildnis. Melide war dazu das absolute Kontrastprogramm, denn Melide ist eine richtige Grossstadt (eu, drei s), die Spanier alle tres chic und ich in meinen Badelatschen, nachmittags zum Stadtspaziergang. Dort hab ich in der Herberge ein supernettes Ehepaar aus St. Louis kennengelernt, mit denen ich dann losgezogen bin zur Apotheke und zum Supermarkt. Abends hat meine Gruppe (^_^) dann ein Konzert mit neuen Talenten aus Melide besucht (das wahr teilweise unfreiwillig komisch, besonders als Christina das Moechtegerntalent ihren Beitrag fuer den Grandprix d’Eurovision vorstellte… Kueblboeck in weiblich! *schaudert*) und dann gings puenktlich um halb elf ins Bett. Allerdings blieb der Schlaf ein ferner Gast in dieser Junta-herberge gab es doch gleich zwei Extremschnarcher, die auch noch einen Schnarchtakt entwickelten. Aaaaaah! Von gestern auf heute hab ich also maximal 2 Stunden geschlafen und sehe aus wie ein Waschbaer- dafuer ist die Herberge heute superschoen und hat tolle sanitaere Anlagen (danke, danke fuer warme Duschen, deren Knopf man nicht bestaendig druecken muss!) - der Schlafsaal ist jedoch sehr gross. Hm. Mal sehen. Morgen geht es nach Pedrouza und jetzt suche ich mir eine Telefonzelle um Hanne anzurufen.
Alles Liebe, Marie
PS. Florian, ich hatte mich schon gewundert, dass du dich noch nicht gemeldet hattest. Liebe Gruesse an Heidi, Mia und Hannah! <3
PPS. Les, mit Paddy jetzt alles in Ordnung?
Hi Marie,
Man sieht ja fast schon die Türme von Santiago. Wir haben uns riesig gefreut gestern Abend von Dir zu hören und finden es super, dass es Dir trotz aller Strapazen so gut gefällt. Habe übrigens vergessen, Dir liebe Grüße von Ralfs Eltern zu bestellen, die Deine Berichte sehr interessieren. Sie wollen im kommenden Jahr Santiago de C. besuchen.
nun auf zum Endspurt noch 36 km
Und jetzt auf, auf zu neuen Abenteuern!
Liebe Grüße von Ralf und Hanne