Buenas Dias zusammen,
ich sitze im Internetcafe/Sportbar in Palas del Rei und verarbeite den Tag- ach ja, schoen war’s heute. Strahlender Sonnenschein seit heute morgen und wunderbare Temperaturen zum wandern.
Seit Sarria war Palas del Rei meine dritte Etappe und da ich ein bisschen Zeit habe, eine kurze Zusammenfassung der letzten Tage:
Meine erste 12 km Etappe ging im stroemenden Regen nach Ferreiros- und ich habe nur Sandalen an, da ich nicht anderes mehr tragen kann. Ich habe mir also ein Muellsackkonstrukt gebastelt, dass auch recht gut funktioniert hat und gegen Mittag war ich in Ferreiros. Die Strecke war wunderschoen, mit kurzen Anstiegen durch Eichenwaelder und an Baechen entlang. Entlang bedeutet auf dem Jakobsweg mitten hindurch auf wackeligen Steinen. Das war vielleicht ein Spass- alle fuenf Minuten hab ich Stossgebete zum Himmel geschickt, damit ich nicht im Bach lande, oh und natuerlich habe ich laut gesungen, es war ja ausser mir niemand da. In Ferrreiros angekommen ging der Sturm los und die Herberge war noch zu- also bin ich in Haus drei von sieben haengengeblieben und habe viel Kolakao getrunken und so langsam meine Etappengruppe kennengelernt. Im selben Tempo wie ich reisen ein aelteres norwegisches Ehepaar, ein sehr nettes Ehepaar aus der Eifel, ein witziger Hollaender (Annika+Kristina: der FReund von Carlos, erinnert ihr euch an den?) und eine brasilianische Familie, deren Sohn in meinem Alter ist, aber ziemlich schuechtern. Wir sehen uns jeden Tag auf den Strecken, gehen zusammen Essen (Waltraud und ich teilen uns das Rucksack Taxi), kochen morgen zusammen in Melide- oh und alle sind immer sehr aufmerksam, dass ich ein Bett bekomme, dass ich genug esse und ueberhaupt:) Mit dem Laufen geht es sehr gut, aber nach 15 km ist wirklich die Schmerzgrenze erreicht, danach wird jeder Schritt unangenehm.
Die Strecke von Ferreiros nach Gonzar ist sehr idyllisch, verwunschene Eichenwaelder und einsame halbleere Doerfer wechseln sich ab mit der immergruenen, satten Landschaft Galiziens. Oh und natuerlich hat es gestern geregnet. Es hat derartig geregnet, dass ich mir in Portomarin nicht nur Geld abheben sondern auch trockene Socken kaufen musste. Jaja, die teuersten Socken meines Lebens- zwei Paar Wandersocken 25 Euro. Aber ganz ehrlich, ich konnte mir die Fuesse trocknen und warme Fuesse sind etwas wunderbares. Portomarin hat eine Kathedrale, die ich aber nicht besonders beeindruckend fand (ich bin halt die Dimensionen des Koelner Doms gewohnt und Portomarins Kirche war nicht viel groesser als die Rotter Dorfkirche, dafuer aber voller Kunstschaetze) Vielleicht haben mich auch nur die Bustouristen genervt (von den Spaniern abschaetzig Tolegrinos, statt Pelegrinos, gerufen), die trocken und leicht angeheitert aus ihrem Bus quellten, alles in der Kirche fotografieren mussten und zu allem Ueberfluss hat einer von ihnen urbayrisch losgepoltert, dass er es ja locker schaffen wuerde zu Fuss zu gehen, die Etappen seien ja zahm. Ganz ehrlich zu diesem Zeitpunkt war ich bereits knapp vier Stunden durch den Regen auf sehr glatten Schieferwegen und knoecheltiefen Waldwegen herumsandalt und dem entsprechend sauer. Da muss man sich von jemandem der mit einem Bus unterwegs ist anhoeren, dass der Jakobsweg ja wirklich nichts Besonderes ist… Ah, ein wenig mehr ueber Portomarin: Portomarin wurde in den fuenfzigern aus einem Tal abgetragen und Gebaeude fuer Gebauede an einem Berghang wiederaufgebaut, das urspruengliche Dorf versank in den Fluten eines Stausees und da in Galizien zur Zeit Hochwasser ist (bitte, kein Kommentar), konnte ich die versunkenen Reste nicht sehen, nicht einmal die alte Bruecke. Portomarin liess ich rasch hinter mir und stieg hinauf nach Gonzar, in eine Juntaherberge mit exakt einem auf der Herdplatte huepfenden Topf und zwei Tellern. Aeh genau. Ich hatte mir zwar Nudeln, Kaese und Sosse (sorry, spanische Tastatur) mitgenommen, aber das Kochen gestaltet sich eher abenteuerlich- aber es hat geklappt, denn als Alternative haette ich nur ein Broetchen in dem Cafe nebenanbekommen und ich hatte wirklich Hunger… Spaeter sind wir ins Cafe umgezogen und ich habe meinen Kolakao getrunken und das Gewitter betrachtet.
Ueber Nacht hat es aufgeklart und heute war ein wunderwunderschoener Tag, anfangs fiel mir der Weg schwer, denn es ging bergauf und meine Ferse schmerzte sehr, aber die Landschaft war bei Sonnenschein so viel ansprechender, so dass ich gar nicht anders konnte als vergnuegt die Pfade entlangzusteigen. Nervig war nur die bestaendige Querung der C535 (Spanische Schnellstrasse), hin-zurueck- hinzurueck. Hmpf. Waeren nicht so fiese LKWs unterwegs koennte man natuerlich auf der Strasse bleiben- oh und was ich nicht begreife ist, dass der Jakobsweg immer nach starken Kurven oder Kuppen die Schnellstrasse quert… tolle Planung. Heute gab es eine ganze Reihe kleine Kirchen und Steinkreuze zu sehen und ich war schon um 1 in Palas del Rei. Hier suche ich uebrigens immer noch den Palast des Koenigs, denn es gibt hier nichts- die Stadt ist sehr verschlafen, aber hat suedlichen Charme komplett mit Palmen und Eukalyptusbaeumen. Dafuer hab ich in St. Tirso (huh?) eine Kerze angezuendet- und mir ein bisschen Zeit genommen in aller Stille nachzudenken. Die Herberge hier ist o.k., allerdings ist die Kueche unbenutzbar und ueber die Waescheleinen schweige ich lieber. Wie schon so haeufig habe ich also ein Menue de Pelegrino gegessen (frischer Lachs, hmmmm! aber leider wie immer mit patatas fritas… ich habe solche Sehnsucht nach Salzkartoffeln) und werde um 21.30 h richtig Bett wandern.
Was kann ich noch sagen, ausser es geht mir gut und ich freue mich ueber jeden eurer Kommentare, die SMS (*umaermelt* Birgit), den taeglichen Wetterbericht…. Der Weg ist leichter, wenn man weiss, dass man ihn nicht alleine geht!
Alles Liebe, Marie
PS. Vera, ich denke ganz fest an dich.
PPS. Allerliebste Les, die Zombieveranstaltung ist gebucht:P
Liebe Märrie,
Ich beneide dich wirklich sehr! Ich will auch! Wart, ich buch mir rasch nen Flug! …
Wie SMS? Kann ich dir SMSen? Auf dein Handy? Mußt du da nicht auch zu bezahlen, wegen Ausland und so?
Paddy ist gestern operiert worden, weil er Warzen im Mund hat–es war schrecklich! Mir ist schwarz vor Augen geworden, wie ich ihn so hilflos unter Narkose hab liegen sehen, und diese Tierärztin ihm das Maul aufgerissen hat, um uns zu zeigen, wo sie die Watrzen abgebunden hat und welche zwei Zähne sie ihm hat ziehen müssen. Die Sprechstundenhilfe hat mich vor die Tür bugsiert und meine Beine hochgelegt, sehr peinlich.
Dementsprechend war der gestrige Tag: nach der OP hab ich ausschließlich neben Paddys Körbchen gesessen und ihn gestreichelt und ihm manchmal etwas Wasser offeriert. Als er einmal aufstehen wollte, ist er vornüber gekippt und ich mußte lachen, obwohl ich nicht wollte!
Und als ich dann abends hier saß, mit Gedanken noch bei Paddy und dem Nintendo64, das ich gekauft hab, aber das nicht funktioniert, da hätt ich fast bei dir zuhause angerufen, ehe mir eingefallen ist, daß du ja nicht da bist. Dann hab ich überlegt, ob ich trotzdem bei dir zuhause anrufen und mit deiner Ma telephonieren soll.
*seufz* Ich hoffe du kommst bald wieder!
Ah, und viele Grüße von Eddie. Und von meinem Dad und meinen Großeltern!
Und viel Spaß auf der nächsten Etappe!!!